Ist es nicht oft so - das Nahe kennt man nicht!?
Keine 30 Autominuten von meinem Wohnort entfernt liegt der Schaalsee, mir als Hagenower Jung bestens bekannt obgleich eher vom Namen aber weniger vom Ansehen.Dies verwundert nicht, denn diese Region in meinem ehemaligen Heimatkreis war für mich viele Jahre nicht zugänglich. Ein Schlagbaum machte den Besuch von Zarrentin und Umgebung nur mit einem Passierschein möglich. Heute im Zeitalter der "freien Fahrt für freie Bürger" zieht es einen eher in die Ferne als in die nähere Umgebung.
Bei mir ist es ein wenig anders, ich bin beruflich viel unterwegs und so komme ich an so manchen Ort, der entdeckt werden will. Auch in meiner alten Heimat, heute war es die Insel Stintenburg.
Die Insel liegt im östlichen Schaalsee zwischen Techin und Lassahn, quasi auf der anderen Seite von Zarrentin. Die Insel ist klein, hat gerade mal eine Länge von ca. 400 Metern und eine maximale Breite von ca. 190 Metern.
Die Geschichte der Insel ist aber nennenswert.
Historisch gehörte Stintenburg immer zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg und erst seit 1945 ist sie mecklenburgisches Gebiet und gehört zur Stadt Zarrentin.
17. Jahrhunderts wechselte der Besitz an die Herzogin Margarethe von Lauenburg. Mit der Stintenburg wird der mecklenburgische Uradel deren von Bernstorff in Verbindung gebracht. 1740 gelangte die Stintenburg in deren Besitz und der letzte Besitzer war Albrecht Graf von Bernstorff, der noch 1945 von den Nazis umgebracht wurde.
Der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock schreib auf der Stintenburg die Ode Stintenburg. Ihm zu Ehren wurde eine Eiche gepflanz, so ca. 1770. Diese Eiche ist heute noch als Klopstock Eiche zu bestaunen.
Vom Parkplatz gelangt man durch eine mit alten Linden bewachsene Allee auf die Stintenburg. Unmittelbar hinter der Brücke, die die Verbindung zum Festland herstellt, befindet sich links das Brückenhaus, heute an Restaurant mit gehobener Küche. Wer`s einfacher mag, auf dem Hof befindet sich ein Fischimbiss.
Auffallend auf der Insel sind der alte Baumbestand, das glasklare Wasser des Schaalsees mit dem dichten Schilfgürtel und die Streuobstwiesen.
Der alte Kolonnenweg ist ein Relikt der jüngsten Geschichte. Die
Stintenburg war viele Jahre Grenzgebiet - Zutritt verboten, Nicht für alle! Zu DDR Zeiten wurde das ehemalige Herrenhaus wegen seiner Grenznähe als ein Objekt der Hauptabteilung I des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zur Ausbildung einer geheimen Elitetruppe für die Grenztruppen der DDR genutzt. Noch heute zeichnet sich der Charme dieser Zeit am Gebäude ab.
© kbath 2016
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